Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies
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22. Januar 2010 | Autor: Astrid Prange
Ist es geschmacklos, in der Dominikanischen Republik Urlaub zu machen, während das Nachbarland Haiti nach dem Erdbeben in Schutt und Asche versinkt? Fest steht jedenfalls schon jetzt: Das Erdbeben in Haiti hat auch das Verhältnis zum reichen Nachbarn ins Wanken gebracht. Bisher hat sich die karibische Urlaubsdestination hermetisch gegen haitianische Armutsflüchtlinge abgeschirmt. Nun öffnen sich die Grenzen. Hilfstransporte werden auf dem Landweg von Santo Domingo nach Port-au-Prince gebracht, Schwerverletzte in Krankenhäusern der ehemaligen spanische Kronkolonie behandelt. Als erstes Land sagte die Dominikanische Republik die Entsendung von 800 Polizisten für die Einheit der UNO zu, die in Haiti dringend gebraucht werden.
Die Hilfe ist nicht uneigennützig. Wenn Haiti abstürzt, ist auch die Dominikanische Republik gefährdet, und insbesondere ihr wichtigster Wirtschaftszweig, der Tourismus. Rund 3,45 Millionen Urlauber kamen im vergangenen Jahr in den Karibikstaat, den Kolumbus einst als „Eingang zum Paradies“ bezeichnete. Doch ihre Zahl sinkt, denn schon vor dem Erdbeben färbte das negative Image Haitis als Armenhaus der westlichen Welt auch auf den östlichen Teil von Hispaniola ab. Angesichts der unvorhersehbaren Wechselbewegungen touristischer Besucherströme wäre es nicht verwunderlich, wenn Feriengäste bei der nächsten Reise auf andere karibische Destinationen wie Jamaika oder Kuba ausweichen würden.
Tourismus agiert nicht losgelöst von politischen Umständen im luftleeren Raum. Nach Jahren bewusster Abschirmung muss sich die Dominikanische Republik dieser Realität stellen. Die Illusion vom karibischen Paradies ist unter den Erdbebentrümmern endgültig begraben worden. Auch jeder Urlauber, der nach Puerto Plata fliegt, sollte sich darüber im Klaren sein. Ein Badeurlaub an den schönen Stränden der Dominikanischen Republik ist nicht geschmacklos. Geschmacklos wären allerdings in dieser Lage überzogene Ansprüche an einen perfekten Urlaub.
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