Die neue EKD-Führung: Schneider und Michelsen
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27. Februar 2010 | Autor: Wolfgang Thielmann
Nikolaus Schneider, der rheinische Präses, soll den Rat der EKD bis 2015 leiten. Das will der Rat, der im bayerischen Tutzing am Starnberger See erstmals ohne Margot Käßmann tagte, der Synode der EKD vorschlagen. Die Synode, die sich im November in Hannover trifft, wo bisher Margot Käßmann als Bischöfin amtierte, muss entschieden, ob sie deren bisherigen Stellverteter im Rat für den Rest der sechsjährige Amtszeit an die Spitze beruft. Angesichts der kurzen Amtszeit – der Rat wurde erst im Oktober neu gewählt – stehen die Aussichten gut, dass die Synode dem Vorschlag des Rates auch diesmal folgt, auch wenn diese Situation für die evangelische Kirche neu ist. Bisher wählte die Synode die Ratsmitglieder, und aus den zuerst Gewählten schlug der Rat, der sofort danach zusammentrat, einen Kandidaten für den Vorsitz vor. Durch Rücktritt vor der Zeit hat die EKD noch nie ihre Führung verloren.
Schneider, der „Arbeiterbischof“ der EKD, liegt politisch eher links von Käßmann. Das steht hinter seinem Satz, die evangelische Kirche bleibe unbequem. Seine Frömmigkeit hat ihre Wurzeln im CVJM mit seiner starken ethischen Orientierung; Margot Käßmann ist in einem bodenständigen Luthertum zuhause. Und „Niko“, wie ihn Freunde nennen, kann Menschen verbinden. Er hört zu, er spricht nachdenklich. Und er ist entschlossen ohne Macher-Attitüde.
Ob durch das Erdbeben des Rücktritts die Forderung an Gewicht verliert, dass der Rat von einem Lutheraner geführt wird? Vor Käßmann hatte die EKD vier unierte Rastvorsitzende in Folge, Schneider ist der fünfte in der Reihe. Ein lutherischer Kandidat müsste sich allerdings bald warmlaufen. Vermutlich wird aber ein Bischof oder eine Bischöfin in das Gremium nachgewählt, dazu ein Laienmitglied. Bei der Wahl im Oktober in Ulm war ein Platz leer geblieben, weil sich die Synode im Kongresszentrum nachts um halb zwei auf keinen Kandidaten mehr einigen konnte.
Als neuen stellvertetenden Vorsitzenden wählte der Rat in Tutzing den Hamburger NDR-Fernsehjournalisten und RM-Autor Uwe Michelsen. Er ist ordinierter Theologe und war seit 1975 persönlicher Referent des Hamburger Bischofs Hans Otto Wölber, bevor er 1980 die Leitung der NDR-Abteilung Religion und Philosophie übernahm, die heute „Religion und Kirche“ heißt.
Von hier aus erst einmal alles Gute.
Das Thema der Synode im November lautet „Niemand darf verloren gehen!“ Dabei geht es um Bildungsgerechtigkeit. Aber die Synode wird sich auch wünschen, dass der neue Rat jetzt komplett bleibt.
Mehr zum Thema: RM-Themen-Dossier Margot Käßmann und die Zukunft der EKD
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