Ein Palästinenser führt den Lutherischen Weltbund
Kategorien: Christ + Welt, Kollekte. Das Religionsblog | 0 Kommentare
24. Juli 2010 | Autor: Benjamin Lassiwe
Der Lutherische Weltbund hat einen neuen Präsidenten. In der Stuttgarter Liederhalle wählten die 400 Mitglieder seiner Vollversammlung am Morgen den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, Munib Younan. Er erhielt 300 von 360 abgegebenen Stimmen (23 Neinstimmen, 37 Enthaltungen) und war einziger Kandidat für die Nachfolge von LWB-Präsident Mark S. Hanson, der aus Altersgründen nicht mehr antrat.
Younan wurde 1950 als Sohn palästinensischer Flüchtlinge in Ost-Jerusalem geboren. Bis heute ist er Inhaber einer provisorischen Ausweiskarte der Vereinten Nationen. Der Übersetzer der ersten arabischen Ausgabe des Augsburger Bekenntnisses ist seit 1998 Bischof seiner Kirche, deren vielfältige Arbeitsfelder von den Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes mit mehreren hunderttausend Euro pro Jahr finanziell unterstützt werden. Allein von den Landeskirchen Bayerns, Hannovers, Braunschweigs und Schaumburg-Lippes erhält die rund 3.000 Gemeindeglieder in acht Gemeinden zählende arabische Minderheitenkirche jährlich rund 75.000 Euro für ihre Gemeindearbeit.
In Palästina engagiert sich Younan für die Friedensarbeit zwischen Juden und Arabern. Gleichzeitig unterzeichnete er jedoch das von einer Gruppe palästinensischer Christen verfaßte Kairos-Palästina-Dokument, das die israelische Besetzung der palästinensischen Gebiete als „Sünde vor Gott“ bezeichnet. Von den deutschen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit wurde es massiv kritisiert. Im Lutherischen Weltbund bekleidet Younan seit 2003 den Posten eines Vizepräsidenten.
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