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Fehler 403

Es ist verabschiedet.

Kategorien: Wirtschaft, Fehler 403 | 4 Kommentare
18. Juni 2009 | Autor: Benedikt Fuest

Jörg Tauss letzte Worte vor dem Plenum
Jörg Tauss letzte Worte vor dem Plenum - eisiges Schweigen seitens SPD und Union. Man beachte Tauss isolierten Sitzplatz (wo das blaue Netbook liegt).

Nach kurzer Debatte hat der Bundestag heute um 19.45 das Internet-Sperrgesetz verabschiedet, mit 389 Ja-Stimmen, 128 Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen. Bemerkenswert an der Debatte war, dass Ministerin ("Zens")Ursula von der Leyen es nicht für nötig erachtete, zur Debatte überhaupt zu erscheinen. Auch die Pressebank war ausser von mir nur von zwei weiteren Kollegen besetzt, fotografierende Kollegen waren keine da. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang sieht...

Weiter bemerkenswert war, dass Jörg Tauss als einziger SPD-Politiker offen gegen das Gesetz sprach - alle andern wagten einen Eiertanz zwischen "Nicht optimal aber.." und "Eigentlich wollten wir schon immer die Kinder schützen, deswegen stimmen wir mit."

Tauss wurde in seiner Fraktion wie ein Paria behandelt, niemand wechselte ein Wort mit ihm, er saß links aussen auf einem Katzenplatz. Auf seine Abschiedsworte im Plenum wagte aus der SPD-Fraktion niemand offen zu klatschen, nur unter den Tischen bewegten sich ein paar Hände. Er forderte die Internet-Gemeinde auf: "Kämpft weiter". Tauss scheidet auf Druck seiner Partei zum Ende der Legislaturperiode aus, nachdem bei ihm kinderpornographisches Material gefunden wurde und die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt.Er war bis zuletzt leidenschaftlicher Gegner des Gesetzentwurfs.

Die Opposition nutzte ihre letzte Chance, ihrem Ärger über das Eilverfahren, in dem das Gesetz vor der Somemrpause durchgepeitscht wurde, noch einmal Luft zu machen. Die FDP kritisierte, das Gesetz habe nichts mit dem Entwurf aus erster Lesung zu tun, sie deutete ihre Lust auf eine Verfassungsklage an. Grüne und Linke nannten das Gesetz "Placebo", und befürchteten, dass das Gesetz, da das geplante Stopp-Schild Täter warne, die KiPo-Bekämpfung eher behindern werde.

PS: Jörn Wunderlich von der Linken zitierte den Rheinischen Merkur in seiner heutigen Ausgabe, um Alternativen zur Sperrliste anzuführen.

PPS: Das Abstimmungsverhalten zum Gesetz.

Ach ja: EIN Unionsmann hat dagegengestimmt -versehentlich oder extra? Ich bin gespannt...

Schlagworte: Zensursula, Sperrliste,

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Kommentare (4)

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Ralf Müller schreibt am 19.06.2009 22:38 Uhr:

Ich weiß natürlich auch nicht was damals bei dem Fall Tauss wirklich passiert ist. Allerdings ist jetzt klar, dass eine Karriere zerstört ist und auch sein Anliegen nicht durchgesetzt wird. Der Grund waren Kinderporno-Bilder auf seinem PC. Wenn das BKA in der Lage ist, unbemerkt in Computer einzudringen um ihn zu durchsuchen (Onlinedurchsuchung) sind wäre es auch in der Lage dort solche Bilder dort unterzubringen.
Das BKA wäre also in der Lage die Politik massiv zu beeinflussen, indem es bestimmte politische Gegner einfach politisch zum Paria macht. Eine gefährliche Macht!

Björn Steinbrink schreibt am 19.06.2009 14:44 Uhr:

Die Gegenstimme von Herrn Borchert wird wohl kein Versehen gewesen sein, seiner Tochter sei Dank.

Siehe:
http://netzpolitik.org/2009/einer-muss-ja-kurzmeldungen-zum-abend/
http://twitter.com/lyssaslounge

Jochen Hosemann schreibt am 19.06.2009 13:18 Uhr:

Hallo Herr Fuest. vielen Dank für Ihren Artikel. Bei der Behandlung von Herrn Tauss durch seine eigene Fraktion (!) lief mir gestern nicht nur ein Schauer den Rücken runter. - Praktisch keine Journalisten ?? Ich fasse es nicht!!!

Erik Roderwald schreibt am 19.06.2009 09:20 Uhr:

Vor zwei Jahrzehnten hat mir Ihre Zeitung auf Grund meines Studentenstatuses ei Abo geschenkt. Ich habe sie damals als konservativ und - entschuldigen sie bitte die Offenheit - teilweise reaktionär kennengelernt. Umso mehr erfreut es mich, dass sie sich bei diesem Thema auf die Seite der fortschrittlichen Kräfte dieses Landes schlagen und gegen die Zensur schreiben. Alle Achtung! Das sollte eigentlich allen zeigen, dass es hier nicht um für oder gegen Pornographie geht, sondern für oder gegen Zensur, sollte doch Ihr Blatt über jeden Zweifel erhaben sein.

Liebe Grüße

Erik Roderwald

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Benedikt Fuest

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