Halt die Klappe, Deutschland!
Kategorien: Politik, apo's Welt | 3 Kommentare
10. Februar 2009 | Autor: Astrid Prange
Zwischen Kapstadt und Pretoria wird zurzeit kräftig Medienschelte betrieben. Die deutschen Journalisten schreiben Südafrika nieder, klagt die Tourismusbranche. Seit der WM in Deutschland 2006 werde die Berichterstattung über Südafrika immer negativer. So ganz ist der Vorwurf nicht von der Hand zu weisen. Reiseveranstalter, die den deutschen Markt bedienen, beklagen seit April vergangenen Jahres einen Besucherrückgang von 40 Prozent.
Wo also bleiben die positiven Nachrichten? Ist die WM 2010 in Südafrika nicht eine Riesenchance für den ganzen afrikanischen Kontinent? Kommen nicht alle Touristen mit leuchtenden Augen von der Safari zurück? Die Antwort lautet: Ja! Südafrika ist ein wunderbares Land! Ich plädiere deshalb weniger als 500 Tage vor der WM dafür, die europäische Brille abzunehmen und den deutschen Hochmut abzulegen.
Dies heißt nicht, den Blick vor den Problemen zu verschließen. Natürlich ist die Kriminalitätsrate zu hoch, das hat kürzlich selbst der amtierende südafrikanische Präsident Kgalema Motlanthe eingeräumt. Doch warum sollte ausgerechnet ein Land mit extrem krassen Einkommensunterschieden und einer Arbeitslosenrate von 25 Prozent eine Insel der Glückseligen sein? Warum sollte es in Johannesburg 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid, die sich nun in eine soziale Apartheid gewandelt hat, friedlicher zugehen als in Sao Paulo oder Mexiko City?
Richtig ist auch, dass das Nelson-Mandela-Bay-Stadium in Port Elisabeth von der Liste der Austragungsorte für den Konförderationen-Cup vom 14. bis 28. Juni 2009 gestrichen wurde. Doch dies bedeutet weder, dass der Testlauf für die WM nicht stattfindet noch dass alle Stadien nicht rechtzeitig zur WM 2010 fertig werden. Die offizielle Bescheinigung der FIFA, dass die Fertigstellung der WM-Stadien keinerlei Probleme bereite, hat dies erneut klargestellt. Man mache sich keine Sorgen um die Stadien, sondern eher um Transport und Ticketverkauf, erklärte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke kürzlich in Johannesburg.
Doch scheinbar werden diese Nachrichten hierzulande kaum wahrgenommen. Stattdessen wird das Afrika-Bild von der Hungerkrise in Simbabwe, Wahlmanipulationen in Kenia und dem Bürgerkrieg im Kongo geprägt. Doch was hätten wir gemacht, wenn Deutschland 2006 für alle europäischen Skandale in Gesamthaftung genommen worden wäre? Wenn stinkende Müllberge in Neapel, das Gepäckchaos am Londoner Flughafen Heathrow, der Übertragungs-Blackout beim EM-Halbfinalespiel Deutschland-Türkei in Basel oder die Hetzjagd auf Inder im ostdeutschen Mügeln als Argument dafür hergenommen worden wären, Deutschland sei noch nicht reif für die Austragung einer WM?
Südafrika ist reif für die WM. Aber sind wir reif für Südafrika?
Kommentare (3)
Peter schreibt am 24.02.2009 16:01 Uhr:
Deutschland ist eh nicht mehr zu retten.
Nur am Jammern und Tatsachen verdrehen.
Heike Gerntholtz schreibt am 16.02.2009 12:33 Uhr:
Letzte Woche haben sich ein paar Journalisten und Touristiker in Kapstadt zu einem Treffen zusammengetan, um zu schauen, wie man die "negative Medienwelt" in Bezug auf Suedafrika normalisieren kann. Ein Tag spaeter fand ein Kollege Ihren Blog-Eintrag. Ich wollte mich auf diesem Weg kurz bei Ihnen melden und mich dafuer bedanken, das es auch noch Journalisten gibt, die ueber unser schoenes Land "neutral und normal" berichten. Ein grosses Kompliment und auch DANKE SCHOEN von meiner Seite, denn natuerlich hat Suedafrika noch viele Probleme zu bewaeltigen, aber auch auf der anderen Seite viele Meilensteine mit Bravour hinter sich gebracht.
Peter Koblmiller schreibt am 10.02.2009 19:43 Uhr:
Danke, endlich schreibt mal wer wie's wirklich ist. Suedafrika ist ein wunderschoenes land, mit freundlichen menschen die trotz geringem gehalt die arroganten besucher zuvorkommend bedienen. Trotz mehrjaehriger ausbildung kann ein deutscher kellner nur in bezug auf Know How unseren leuten das wasser reichen. Der deutsche hochmut stinkt zum himmel.

