Junge, Junge!
Kategorien: Christ + Welt, Kollekte. Das Religionsblog | 0 Kommentare
27. Juli 2010 | Autor: Benjamin Lassiwe
„Guantanamera, guajra Guantanamera…“ Südamerika im weißen Zelt vor dem Stuttgarter Maritim-Hotel. Wo Abend für Abend Mitglieder des Verbandes christlicher Pfadfinder (VCP) die Delegierten der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes mit Kaffee, Tee, Bier und Wein bewirteten, feierten die Südamerikaner den neuen Generalsekretär des Weltverbandes, den chilenischen Pfarrer Martin Junge. Der ließ es sich nicht nehmen, Lieder wie „La Bamba“ oder eben „Guantanamera“ an der Gitarre zu intonieren. Manche Jugenddelegierten, Pfadfinder und Stewards begannen sogar, zur Musik des Theologen das Tanzbein zu schwingen.
Martin Junge will, dass alle gemeinsam feiern. Wenn im Jahr 2017 das 500. Jubiläum des Thesenanschlags von Martin Luther begangen wird, soll das in ökumenischer Offenheit geschehen, sagte der neue Generalsekretär des weltweiten Dachverbandes der Lutheraner. Der aus Chile stammende Theologe erinnerte an einen Satz seines Amtsvorgängers Ishmael Noko: „Lutheraner zu sein, bedeutet Ökumenisch zu sein.“ Dafür bekam der in Göttingen ausgebildete Theologe von den Delegierten viel Applaus.
Genau wie für seine Lebensgeschichte: Aufgewachsen unter der Militärdiktatur, lernte Junge schon als Jugendlicher, „wie wenig es braucht, um die Demokratie zu verlieren, und wie viel, um sie wiederzugewinnen.“ In dieser Zeit habe er selbst die Kirche entdeckt, erinnert sich Junge heute. „Ich lernte, mich an Werten zu orientieren – Gerechtigkeit, Menschenwürde, Gewaltfreiheit, Toleranz - die von Politik und Gesellschaft fast täglich hintergangen wurden“, sagt Junge. Die Kirche, nicht zuletzt das Heilige Abendmahl, hätten ihm Hoffnung und Kraft gegeben.
Junge sprach sich vor den Delegierten für ein ganzheitliches Luthertum aus. „Verkündigung, Diakonie und der prophetische Auftrag in der Gesellschaft ghören zusammen. Sie beeinflussen einander.“ Stimmigkeit und Balance in diese drei Dimensionen zu bringen, sei eine Aufgabe für den LWB. Doch der Guitarrero Junge wies auch darauf hin, dass an der Klampfe wie im lutherischen Leben Misstöne dazugehörten. In der Musik gebe es keine Harmonie ohne Dissonanzen. Dies gelte auch für den LWB. Dieser dürfe nicht auf sich selbst bezogen sein, sondern müsse sich nach aussen wenden. Zum Beispiel, indem er sich stärker als bisher für die Bekämpfung der weltweiten AIDS-Epidemie einsetze: Während es an Mitteln zur Bekämpfung der Finanzkrise nicht gefehlt habe, fehle noch immer das Geld, damit alle HIV-Infizierten antiretrovirale Medikamente erhalten könnten.
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