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Kollekte. Das Religionsblog

Käßmanns Rücktritt - ein Schlag für die Protestanten

Kategorien: Christ + Welt, Kollekte. Das Religionsblog | 3 Kommentare
24. Februar 2010 | Autor: Wolfgang Thielmann

Der Rücktritt von Margot Käßmann von allen Führungsämtern (hier ihre Erklärung) trifft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hart. Die Bischöfin hat dem Protestantismus schon viel länger ein Gesicht gegeben als in den vier Monaten Ratsvorsitz. Seit elf Jahren amtierte sie als Bischöfin in Hannover. Neben dem Intellektuellen Wolfgang Huber war sie die fromme, streitbare und ambitionierte Pfarrerin mit vier Kindern. Nicht zuletzt hat sie damit das Engagement von Frauen sichtbar gemacht, von dem beide großen Kirchen leben.

Sie konnte wahrnehmen und würdigen, wie Menschen sich in Gemeinden beteiligen, und deshalb gehörten ihr die Herzen. Sie legte die Bibel aus und deutete die Situation, unvergessen beim Freitod des Fußballers Robert Enke. Sie wurde geschätzt, von der Küsterin und der Bundeskanzlerin.

Erst im Oktober war der EKD-Rat neu gewählt worden. Der Vorsitz war lange schon auf Margot Käßmann zugelaufen. Gerade hatte sich die 14-köpfige Führung gut eingearbeitet. Und gerade jetzt braucht der Protestantismus Führung. 2006 hatte Wolfgang Huber einen Reformprozess in die Wege geleitet. 2017, zum 500. Jubiläum der Reformation, wollte die Kirche ihr Profil wieder geschärft und Klarheit über ihre Botschaft gewonnen haben. Sie soll den Willen entwickeln, gegen den Trend wachsen zu wollen und den Mitgliederschwund nicht einfach hinzunehmen.

Jetzt, nach dem Schwung des Anfangs, braucht das Vorhaben eine starke, überzeugende Führung, die klug die nächsten Schritte absteckt und die Begeisterung lebendig erhält. Bis voraussichtlich im November die Synode der EKD den Rat wieder nachbesetzt und den Vorsitz regelt, wird kostbare Zeit vergehen - auch wenn kein Zweifel besteht, dass der stellvertretende Ratsvorsitzende, der rheinische Präses Nikolaus Schneider, das Amt in der Zwischenzeit gut ausfüllen wird.

Mehr zum Thema: RM-Themen-Dossier Margot Käßmann und die Zukunft der EKD

Schlagworte: Deutschland, Evangelische Kirche, EKD, Margot Käßmann, Nikolaus Schneider

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Kommentare (3)

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gutboese schreibt am 27.02.2010 13:14 Uhr:

Bischöfin Käßmann ist aus allen leitenden Positionen ausgeschieden, weil sie nicht - nicht einmal auf eine gewisse Zeit hin - zu Kompromissen und Arbeit "mit angezogener Handbremse" gezwungen sein wollte. Sie zum Bleiben in leitenden Kirchenpositionen zu "zwingen" wäre ebenso unchristlich gewesen, wie den Rücktritt zu fordern. Die Freiheit zu Gewissensentscheidung und Identitätswahrung ist zutiefst christlich und erhält Frau Käßmann selbst wie auch der evangelischen Kirche die notwendige Würde. Letzteres fehlt in anderen Fällen leider zu oft.

Fritz schreibt am 26.02.2010 19:41 Uhr:

Frau Käßmann hat zweifelsohne Verdienste, ihr größter ist aber, die Konsequenzen aus einem unverantwortlichen Handeln, das sie selbst bei andern noch vor einem Jahr gegeißelt hat, nun auch in ihrem Fall zu ziehen, und nach der offiziellen Darstellung sogar freiwillig. Insofern habe ich Hochachtung vor diesem Schritt, den sie allerdings schon nach ihrer Scheidung hätte vollziehen sollen, dann wäre diese Lücke in der evangelischen Kirchenhirarchie heute längst wieder geschlossen. Ihre Ansprüche an sich selbst und die anderen waren scheinbar größer als sie zu halten imstande war.

Guenter Apsel schreibt am 25.02.2010 00:21 Uhr:

Schlimmes ist passiert. Seitdem die Nachricht von dem schweren Fehlverhalten der Bischöfin bekannt geworden war, habe ich nicht anderes gehofft, als dass die Evangelische Kirche sich zu der Grundlage ihres Glaubens bekennt, was in diesem Fall geheissen hätte, sich total solidarisch zu zeigen und - das vor allem - deutlich zu machen, dass eine Kirche, die das allgemeine Priestertum aller Gläubigen als Kern des Kirchenverständnisses verkündet, nicht zulässt, dass Moral über das Evangelium siegt. Auf Reue folgt Vergebung. Bei Hans und Franz wie bei der Bischöfin Margot Käßmann. Basta.
Äusserst bedauerlich, dass diese Chance verspielt wurde. Eigentlich müsste man zu härteren Begriffen greifen: Verrat am Evangelium.
Margot Käßmann gehen zu lassen, ist ebenso unverzeihlich, wie wenn man den Küster von XY-Dorf ob der gleichen Tat fristlos entlassen hätte. Die EKD hat sich selbst schwer beschädigt. Eine gravierenden Glaubwürdigkeitslücke hat sich aufgetan. Davon wird sie sich lange nicht erholen. Ein Stück aus dem Tollhaus der Moralapostel.
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