Noch einmal: Margot Käßmann - und der zweite Tag danach
Kategorien: Christ + Welt, Kollekte. Das Religionsblog | 1 Kommentar
07. März 2010 | Autor: Wolfgang Thielmann
Manche Kommentatoren des Rücktritts von Margot Käßmann haben sich gewünscht, zu erleben, wie eine Führungskraft mit ihrer Schuld im Amt bleibt. Schuldig werden Menschen durch die Bank, Führungskräfte eher mehr als weniger, weil sie öfter vor Entscheidungen stehen, deren Alternativen nie allen gerecht werden. Kommt es darauf an, ob Schuld unentdeckt bleibt? Wäre es nicht menschlich, eine Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche zu erleben, mit ihrem Fehlverhalten, zu dem sie steht? Das schwebt offenbar denen vor, die zu hunderttausenden dafür plädiert haben, dass sie ins Amt zurückkehrt. Verantwortung muss gelebt werden, erkannte in meinem Oberstufenlesebuch ein Schüler, der im Streit einen Kameraden verletzt hatte und sich danach zuerst umbringen wollte.
Vielleicht hat ein einziger Tag über die Frage entschieden und eine einzige Entscheidung an diesem Tag das Verbleiben im Amt verbaut. Montag, der 22. Februar, der Tag, an dem sie vermutlich erfuhr, dass die Zeitung, die Meinungen bildet, ihre Alkoholfahrt öffentlich machen würde. (Im Blick auf die Frage, wer der Zeitung die Information gegeben hat, ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft.) Der 22. war auch der Tag, an dem sie nicht, wie sonst, selber an die Öffentlichkeit ging, bevor eine Zeitung und ein Sender vermelden konnte, was ihr widerfahren war. Sie hätte die Initiative ergreifen können, zum Beispiel mit der Entscheidung, dass sie den Ratsvorsitz für drei Monate ruhen lassen würde. Doch sie wartete. Nur der Zeitung selber sagte sie, sie sei erschrocken über sich selbst. Und überließ es anderen, die Schlagzeilen zu formulieren.
Hätte sie am Montag einen Rückzug auf Zeit bekanntgegeben, der Rat der EKD hätte sich ebenfalls hinter sie gestellt, so wie er es am Dienstag tat, als eine publizistische Springflut über sie und die evangelische Kirche hereinbrach. Sie ging am folgenden Wochenende zurück, und das hätte sie wohl im anderen Fall auch getan.
Hätte. Wohl. Nachher ist man klüger.
Hoffentlich findet die evangelische Kirche eine Position, in die Margot Käßmann zurückkehren kann. Der Rat der EKD sollte sich zeitig Gedanken darüber machen.
Mehr zum Thema: RM-Themen-Dossier Margot Käßmann und die Zukunft der EKD
Kommentare (1)
Prof. J. Georg Simmerstätter schreibt am 28.05.2010 01:01 Uhr:
Wenn sich die evangelischen Christen aufdden Standpunkt stellen, eine Führungskraft dürfe keine Fehler machen, dann wird die ev. Kirche ohne Führung bleiben.
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