Polokwane, verzweifelt gesucht
Kategorien: Politik, apo's Welt | 2 Kommentare
07. Dezember 2009 | Autor: Astrid Prange
Endlich! Das wichtigste Ergebnis der pompösen der Gruppenauslosung in Kapstadt lautet: „Ke nakko“, jetzt ist Afrika dran. Auf diesen Moment hat die Regenbogennation sehnsüchtig gewartet. Es gibt keinen Plan B oder C, Südafrika stemmt die WM 2010 trotz aller Unkenrufe und Zweifel notorischer Skeptiker. „Wir haben die Zweifel endgültig begraben“, verkündete Rich Mkhondo, Sprecher des südafrikanischen Organisationskomitees, stolz die gelungene Auftaktveranstaltung am vergangenen Freitag. „Nach diesem gelungenen Auftakt müssen sich alle Skeptiker in stiller Demut üben.“
Am Kap ist der Startschuss für die WM bereits am vergangenen Freitag gefallen. Nach der Gruppenauslosung befindet sich das Land im kollektiven WM-Rausch. Es scheint, als stehe das Endspiel unmittelbar bevor, und deshalb wird der Triumph einer gelungenen WM –unabhängig von der Performance auf dem Rasen – schon mal im Voraus gefeiert.
Besonders die Tourismusbranche, die noch vor kurzem die WM als Stolperstein betrachtete, ist begeistert. Kein Wort mehr über die Befürchtung, dass gerade wegen der vermeintlichen Invasion von Fußballfans die Safari-Touristen ausbleiben könnten. Stattdessen feiert die Branche die segensreichen Auswirkungen der Gruppenauslosung. „Die großen Teams spielen auch in kleineren Austragungsorten. Das bedeutet, dass gerade touristisch unterentwickelte Regionen von der WM profitieren können“, erklärt Sugen Pillay, Sprecherin der südafrikanischen Tourismusbehörde.
Zu den insgesamt zehn Austragungsorten gehören auch touristische Unbekannte wie Polokwane, Bloemfontein, Nelspruit, Rustenburg und Port Elisabeth. Nelspruit, Hauptstadt der Provinz Mpumalanga, gilt als „Tor zum Krügerpark“ ohne Sehenswürdigkeiten, die Bergbaustadt Rustenburg ebenfalls. Doch bei genauer Betrachtung sind die unbekannten Austragungsorte besser als ihr Ruf. Rustenburg verfügt in unmittelbarer Nähe über ein Naturreservat mit Jahrtausende alten Felsformationen, Polokwane, Hauptstadt der Northern Province, punktet mit einem Freilichtmuseum, das vom einheimischen Volk der Bakone selbst geführt wird, und Bloemfontein überrascht mit Gartenanlagen und Kunstgalerien. Die Hafenstadt Port Elisabeth kann nicht nur Industrieanlagen, sondern auch Strände vorweisen, und dazu noch den berühmten Addo Elephant Park.
In Port Elisabeth tritt am 18. Juni, Deutschland gegen Serbien an, in Polokwane kommt es zum Showdown von Mexiko gegen Frankreich, in Bloemfontein trifft Kamerun auf Japan, in Nelspruit spielt Italien gegen Neuseeland, und in Rustenburg zittern am 12. Juni die USA vor England. „Wenn England, Italien, Deutschland oder die Niederlande ins Achtelfinale einziehen, dann können diese Austragungsorte mit rund 50 000 Besuchern rechnen“, lautet die Kalkulation der Touristiker. Denn diese Länder hätten eine treue Fangemeinde und seien zudem wichtige Quellmärkte für den Tourismus in Südafrika.
Natürlich kann Königin Kapstadt über solche Hoffnungen nur milde lächeln. „Vergesst die Stadien, die Leute werden die Spiele in unseren Fanparks auf dem Bildschirm verfolgen und dabei alles genießen, was Kapstadt so zu bieten hat“, prahlt ein Reporter der Zeitung „Sunday Star“. Natürlich vergisst er nicht zu erwähnen, dass das neue Mega-Stadium Greenpoint, in dem am 6. Juli das Halbfinale ausgetragen wird, schon zwei Monate vor Plan fertiggestellt wurde. Konkurrenz belebt das Geschäft, und Kapstadt hat gezeigt, die WM-Maschine läuft. Ke nakko!
Kommentare (2)
Dorothee schreibt am 01.01.2010 09:32 Uhr:
Wir haben uns schon so daran gewöhnt, dass uns die böse Wirklichkeit an der Mattscheibe präsentiert wird, dass die wirkliche Wirklichkeit (ob böse oder gut) keine Rolle mehr spielt. Die Menschen in Südafrika haben die ganze Bandbreite in ihrem Leben und wir hier haben Ballak, der sich in einer Reklame am Laptop eine Reise nach Südafrika klickt.
In einem Blog fand ich die Forderung, die Südafrikaner sollten auf diese Tröten verzichten, mit denen sie die Fußballspiele akustisch versauen. Da begegnet der Bundesdeutsche der südafrikanischen Wirklichkeit. Bin gespannt, ob es eine fruchtbare Begegnung wird.
Steffen schreibt am 08.12.2009 10:36 Uhr:
"Ke Nako"!!! - Übersetzung "The time is now" - "Es ist Zeit"

