Volksentscheid: Bildung braucht Ruhe
Kategorien: Politik, Rutz – der Blog zur Krise | 0 Kommentare
23. Juli 2010 | Autor: Michael Rutz
Das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids sollte für die CDU nun eine endgültige Lehre gewesen sein: Man legt nicht ungestraft Hand an das achtjährige Gymnasium und den damit verbundenen Bildungskanon. Die bürgerlichen Wähler im Land sind es leid, dass ausgerechnet die CDU immer wieder die Bildungspolitik als Verhandlungsmasse in irgendwelche Koalitionsverhandlungen einbringt und sich auf diesem Felde dem ideologischen Diktat derer unterwirft, die in der Bildungspolitik Klassenkampf mit anderen Mitteln sehen.
Dabei ist allen Eltern, die ihre Kinder durch das deutsche Schulsystem geschleust haben (und oft: durch mehrere Schulsysteme der jeweiligen Bundesländer), längst klar, dass es nicht auf ständige Strukturreformen ankommt, sondern auf kleine Klassen und gute Lehrer.
So lässt sich auch am besten den Schülern helfen, deren sozialer Hintergrund – seien es nachlässige Eltern oder ein fremdsprachliches Elternhaus oder beides – ihre Bildungschancen tatsächlich schmälert. Auch hier hilft nur zusätzliche Betreuung, auch sozialpädagogischer Einsatz, jedenfalls aber zusätzliches Personal.
Das ist das Grundproblem immer gewesen: Im Schulsystem steckt zu wenig Geld. Dieser Umstand wurde mit immer neuen Strukturreformen und der Behauptung verbrämt, durch die Änderung von Schulformen und längeres gemeinsames Lernen würden bessere Lernergebnisse erzielt. Tatsächlich aber hat sich das Bildungs- und Kenntnisniveau der Schulabgänger beklagenswert abgesenkt, jeder Lehrlingsausbilder kann davon ein Lied singen.
In Nordrhein-Westfalen wird von der rot-grünen Minderheitsregierung über Schulexperimente nachgedacht, in den CDU-regierten Ländern Thüringen und im Saarland laufen solche Experimente schon. Es wird Zeit, dass damit Schluss gemacht wird und Ruhe ins System kommt – und mehr Geld.
Der Artikel erschien zuerst im Rheinischem Merkur Nr. 29, 22.07.2010.
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