blog.merkur.de :: Hier steppt der Bär http://blog.merkur.de/ RSS Feed Thema Kultur Kanal Hier steppt der Bär de-de merkur Sat, 11 Sep 2010 03:07:23 http://blog.merkur.de/ <![CDATA[Weint ein Lied in allen Dingen]]> Gut dass eine Jury und nicht etwa die Medienverteter die Bären vergeben dürfen. Zumindest jene Kollegen in meiner Zunft, die in den Pressekonferenzen der Wettbewerbsfilme Stars und Regisseure leibhaftig zu Gesicht bekommen und dann keine weiteren Fragen zu stellen wissen, als "Schmeckt Ihnen das deutsche Bier?" - "Wie schaffen Sie es, mit Ihren 50 Jahren noch so jung auszusehen?" (Frage an Michelle Pfeiffer),  hätten denn auch lieber so einen Jux-Streifen wie "Rosaroter Panter 2 " als Sieger gesehen, nur lief der leider außer Konkurrenz. Das kommt davon, wenn man Live-Style-Redakteure und eben nicht die Kinofachleute akkreditiert. Sie dürfte besonders die konsequente einstimmige Entscheidung der Jury ratlos gemacht haben, dem peruanischen Wettbewerbsbeitrag " La teta asustada" (The milk of sorrow) von Claudia Llosa den Goldenen Bären zu geben, der sich mit den postraumatischen Folgen eines verletzten Landes, das unter Terror und Bürgerkrieg zu leiden hatte, auseinandersetzt. Die Leiderfahrungen nachfolgende Generationen werden von den nachfolgenden Generationen wie Muttermilch eingesogen. Eine junge Frau hört sich am Totenbett ihrer Mutter noch einmal deren Klagen über die Verbrechen an, die ihr und ihrem Mann zugefügt wurden. Die Mutter trägt sie singend vor, weil sie sonst verstummen müsste. Die Tochter übernimmt von der Mutter diese "Therapie-Technik". Immer wenn sie in Bedrängnis gerät, singt sie, um die Dämonen zu vetreiben. Es ist eine Art Pfeifen im Dunkeln, das aber auch Licht ins Dunkel bringt . "Weint ein Lied in allen Dingen", müsste hier die Rilke-Paraphrase heißen, die hier zutrifft. Am Beispiel der jungen Frau, die sich langsam aus der weitergereichten Angstarre herausfindet und zu einer Persönlichkeit heranreift, die die Furcht ablegen kann,  wird ein Psychogramm eines Landes erstellt, dass nur langsam sich den Dämonen der Vergangenheit entledigt. Jury Als der Film in der Pressevorführung zu Ende war, beherrschte ratloses Schweigen die Kinoatmosphäre - allein Jurymitglied und Bestsellerautor Henning Mankell applaudierte, doch niemand stimmte in sein Klatschen ein. Sichtlich betreten murmelte er zerknirscht: "No man will understand..." - Tilda Swinton umarmte ihren Kollegen, dem nun sichtlich die Tränen in den Augen standen. Welche Luxusleiden dagegen im deutschen Wettbewerbsbeitrag "Alle Anderen" von Maren Ade verhandelt wurden! Ein Selbstbespiegelungs-Beziehungskomödie der langweiligen Art, in der Ambitionen und Wehleidigkeiten der orientierungslosen Mittdreißiger-Generation vorgeführt werden, die, wenn denn alle dieser Generation diese Pseudoprobleme hätten,  wohl als anthropologisches Mißverständnis gelten müsste. Dass ein "Großer Preis der Jury" an die Regisseurin ging, kann nur gerechtfertigt werden, dass sie diesen Film wohl als eine Art Satire verstand. Allein, dass die österreichische Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr einen Silbernen Bären erhielt, geht in Ordnung. Die beste Regie wurde mit einem Silbernen Bären für den iranischen Regisseur Asghar Farhadi geehrt, der mit seinem Film " Alles über Elly" einen interessanten Einblick auf das Rollenverständnis zwischen den Geschlechtern in einem islamistischen Regime eröffnete. Moderne, weltoffene Freunde machen in einem Ferienhäuschen Urlaub  bis eine Katastrophe überwunden geglaubte autoritäre Verhaltensmuster zwischen Männer und Frauen wiedererweckt - auf Kosten der Frauen. Die Strategie der Jury bei der Preisvergabe wurde schnell deutlich: Filmemacher aus Ländern zu ermutigen, den Aufbruch in eine offenere demokratischere, in eine emanzipiertere Gesellschaftsordnung cineastisch zu begleiten. Dass das lateinamerikanische Kino eine politische Tradition hat, die sehr viel zur Aufarbeitung der Verhältnisse in rechtsgerichteten Diktaturen beigetragen hat, ist nicht nur Cineasten bekannt. Bleibt zu hoffen, dass bei den drohenden Linksdiktaturen in Venezuela, Bolivien und immer noch in Kuba  mit demselben Mut gegen schlechte herrschende Zustände angefilmt wird. Dass der peruanische Sieger nicht ohne spanisches Geld hätte realisiert werden köpnnen, zeigt das Spanien als Ex-Kolonialstaat sich seiner politischen Verantwortung für seine ehemaligen Besitztümer verantwortlich zeichnet. Ein positives Beispiel für Globalisierung. So stand auch die 59. Berlinale, zumindest im Bewusstsein der Jury wieder ganz im Zeichen des Politischen, das Unterhaltungskino ging leer aus. Kein Schaden, es schafft auch ohne einen Bären, die Kinosäle zu füllen.]]> <![CDATA[„Ricky“ von François Ozon verleiht Flügel]]> Henning Mankell, Bestsellerautor und Jurymitglied der diesjährigen Berlinale, forderte politische Festspiele: „Ich möchte Filme sehen, die die Welt besser machen.“ Die Kinokritiker, die zehn Tage lang das Resultat der Auswahl von 5900 eingereichten Produktionen auf sich wirken lassen, mögen es auch ein paar Nummern kleiner. Ihnen genügt schon eine Welt, in der Filme besser gemacht werden.

Dabei fragt man sich: Was ist ein „guter“ Film? Ist es das Kino, das frische künstlerische Akzente setzt, oder eines, das uns mit ungewohnten Inhalten konfrontiert? Sind es gar die Mischformen, die uns begeistern können, innovative visuelle Impulse, die ein altbekanntes Filmthema im neuen Licht zeigen? Oder dann doch die Regisseure, die mit konventionellen filmischen Mitteln auf einen bis dato unbekannten Konflikt aufmerksam machen? Die 59. Berliner Filmfestspiele zeigen von alledem ein bisschen. Gemessen an dem, was in den Großkinos sonst an erfolgreichen Blockbustern über die Leinwand flimmert, ist natürlich auch diese Berlinale wieder hochpolitisch — von der eventorientierten Sektion „Kulinarisches Kino“ einmal abgesehen. Dort sorgt dann doch eher die sattsam bekannte Alfred-Biolektik als eine sperrige Dialektik für Wohlgefühl.

Jenseits solchen Gaumenkinos wird einem in Berlin dieser Tage gern die Bitternis der Welt verabreicht. Als die Bilder laufen lernten, sollte das Kino reine Unterhaltung bieten. Bis die Filmemacher jenen Bildern das Stolpern beibrachten. Kino soll Wirklichkeit abbilden und der Phantasie Flügel verleihen, ungeahnte Räume eröffnen, Träume fortspinnen, bei denen das Vorstellungsvermögen sonst an seine natürlichen Grenzen stoßen würde.

Dem französischen Wettbewerbsbeitrag „Ricky“ von François Ozon gelingt es, all diese gegensätzlichen Ansprüche zu vereinen. Das Werk beginnt, wie französische Kinofilme in letzter Zeit immer, als tristes Sozialdrama. Katie (Alexandra Lamy) ist eine alleinerziehende Mutter, die mit ihrer zehnjährigen Tochter Lisa (Melusine Mayance) in einem hässlichen Hochhausviertel in einer französischen Provinzstadt lebt. Jeden Morgen bringt sie ihr Kind mit dem Motorroller zur Arbeit, danach verschraubt sie in einem Chemiebetrieb am Fließband Säureflaschen. Die alltägliche Routine wird durchbrochen, als der Spanier Paco (Sergi López) in ihr Leben tritt. Es ist Liebe auf den ersten Blick, die bald darauf in der Geburt eines kleinen Jungen Gestalt annimmt.

Doch mit Ricky nimmt das Chaos in der fragilen neuen Kleinfamilie ihren Lauf. Das motorisch unruhige Kind schreit unaufhörlich, Katie ist mit ihren Nerven am Ende, ihr Mann Paco ist ihr keine wirkliche Hilfe. Als er eines Tages Ricky betreut hat, entdeckt die Mutter am Abend Rötungen am Rücken des Kleinen, die auf eine Kindesmisshandlung hindeuten. Als das drohende Szenario sich abzeichnet, wendet Ozon den Film ins Phantastische. Ricky wachsen allmählich Flügel aus seinen Schulterblättern, die ständig größer werden. Das verursacht ihm Schmerzen. Herrlich anzusehen, wie der Knabe später aber wie ein orientierungsloser Wellensittich in seinem Kinderzimmer umherflattert und von Mutter und Schwester mit Babymotorradhelm ausgestattet wird, damit er sich nicht verletzt. Da ist Paco schon gegangen, erbost darüber, dass Katie ihn der Misshandlung bezichtigt hatte. Er erfährt in den Medien, was er für ein biologisches Wunder mit Kate gezeugt hat: Beim Einkauf im Supermarkt hob der flügge gewordene Ricky ab und flatterte vergnügt mit seinen herrlichen Bussardschwingen über den Tiefkühltruhen. Er kann eingefangen werden und Ricky kommt in die Medien. Wissenschaftler wollen ihn untersuchen, die Paparazzi lauern vor dem Haus. Paco überredet die Familie, Rickys Story zu vermarkten. An einer Schnur befestigt, muss das Kind den Fotografen seine Flugversuche vorführen. Da lässt die Mutter aus Versehen los und Ricky treibt wie ein Luftballon davon. Die Familie trauert um das entflogene Kind, das in der freien Natur eigentlich keine Überlebenschance hat.

Aber in diesem Moment tut die Phantasie ein weiteres Mal ihre wohltuende Wirkung. Als Katie sich im nahe gelegenen Tümpel aus Verzweiflung ertränken will, zieht Ricky plötzlich über ihr seine Kreise. Er dreht ein paar fröhliche Abschiedsrunden, bevor er für immer entschwindet ins Offene. Getröstet kehrt Katie zu ihrer Familie zurück. Ihr Sohn hat sein Reich gefunden, das nicht von dieser sozial erkalteten Alltagswelt ist. Jetzt ist auch ein Weiterleben und ein Neuanfang mit Paco möglich. Am Ende des Films ist sie erneut schwanger ...

Ozons poetischer Film über den pragmatischen Umgang mit dem Anderssein eines Menschen ist nicht nur ein Plädoyer für mehr Toleranz. Ozon gelang mit „Ricky“ auch ein lebendiger Beitrag zur Rückkehr des Phantastischen in eine realismusfixierte Kinolandschaft, die zumindest in Frankreich vornehmlich graue Sozialdramen hervorbringt. Als gäbe es ein ungeschriebenes moralisches Gesetz, dass Kinofilme in Zeiten von Sozialabbau und Globalisierung nur noch wirklichkeitsgetreu umgesetzt werden dürfen. Der Film „Ricky“ zeigt, dass Phantasie nicht dem Fantasy-Genre überlassen werden muss, sondern auch unter konfliktreichen Stoffen ihren Platz haben kann. Der Film hat einen Bären verdient. Der harten politischen Realität stellt sich Hans-Christian Schmid in seinem deutschen Wettbewerbsbeitrag „Storm“. Schauplatz ist ein Gerichtsverfahren beim UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, wo die ehrgeizige Anklägerin Hannah Maynard (Kerry Fox) den serbischen Kriegsverbrecher Goran Duric (Drazen Kühn) unbedingt hinter Gitter bringen will. Leider sind die Aussagen ihres Kronzeugen nicht glaubwürdig, und so droht das ganze Verfahren zu platzen. Als Maynard dem Zeugen deswegen schwere Vorwürfe macht, erhängt sich dieser. Es bleiben nur wenige Tage, um neue Beweise aufzutreiben, um den Täter endgültig zu überführen. Die Juristin reist nach Bosnien, wird dort bei ihren Ermittlungen von alten Kadern mit neuer Macht massiv behindert und bedroht. Ihr gelingt es jedoch, die Schwester des toten Zeugen, Mira Arent (Anamaria Marinca), zu einer Aussage in Den Haag zu bewegen. Es stellt sich heraus, dass sie und nicht ihr Bruder das Opfer war: Unter der Aufsicht und dem Befehl Durics wurde sie in einem Hotel mit anderen Frauen gefangen gehalten und von Soldaten vergewaltigt.
Doch plötzlich kommen übergeordnete politische Interessen der UN-Diplomatie ins Spiel, in Gestalt des UN-Politikers Jonas Dahlberg (Rolf Lassgard). Mira soll das Vergewaltigungsdelikt im Prozess besser nicht erwähnen, weil das Verfahren bald zu einem politischen Ende kommen muss. Duric wird nämlich in seiner Heimat als ein Kriegsheld verehrt, der zu Unrecht im Gefängnis sitzt, und hat sich zu Wahlen aufstellen lassen. Sein Erfolg gilt als sicher, wer möchte es sich da schon mit einem Staatsmann von morgen in einem instabilen System verscherzen? Geostrategische Anliegen stehen hier gegen moralische Ansprüche, in diesem Spannungsfeld bewegt sich der beeindruckende Film. Dass sich am Ende doch noch die Zivilcourage der Frauen gegen die politische Räson durchsetzt und Duric verurteilt wird, ist ein kleines Gran Hoffnung, wie sie im Kino ihren berechtigten Platz hat.

Die beeindruckendsten Filme dieser Berlinale widmen sich einem weltumspannenden Konflikt und dessen Auswirkung auf die sogenannten kleine Leute. Doch mit Moral allein ist es heute nicht mehr getan. Das Bestreben, ein guter Mensch zu sein, heißt noch lange nicht, eine gute Tat hervorzubringen. Am anderen Ende der Welt kann ein hehres Motiv verheerende Folgen haben. Der umstrittene schwedisch-deutsche Film „Mammoth“ erzählt die Geschichte der erfolgsverwöhnten New Yorker Eheleute Leon und Ellen. Sie engagieren die philippinische Nanny Gloria, die sich aufopfernd um die Tochter des Hauses kümmert, ihre beiden Söhne aber in ihrer Heimat zurücklassen musste, um ihnen später eine bessere Zukunft bieten zu können. Erst ein Sexualverbrechen an einem ihrer Söhne bewegt Gloria zur plötzlichen Heimkehr und zeigt, in welche Konflikte wir geraten können, wenn wir moralisch handeln wollen.

Der dänische Beitrag „Little Soldier“ von Anette K. Olesen beschäftigt sich ebenso wie Oren Movermans „The Messenger“ mit dem brisanten Thema von Kriegsheimkehrern aus dem Irak, die mit ihren posttraumatischen Problemen fertig werden müssen. In „Little Soldier“ arbeitet Lotte (brillant gespielt von Trine Dyrholm) als Leibwächterin der dunkelhäutigen Prostituierten Lily. Ausgerechnet Lottes Vater ist Lilys Zuhälter und hofft, dass die Tochter eines Tages sein Bordell weiterführt. Die beiden Frauen finden erst allmählich zueinander. Schließlich stiehlt Lotte aus Vaters Tresor Pass und Geld, damit Lily nach Afrika zu ihrer Tochter reisen kann. Doch Lily will sich gar nicht retten lassen.

Die Fallstricke der Güte sind das Leitthema der diesjährigen Berlinale. Aus diesem Dilemma gibt es kein Entrinnen. Es sei denn, uns wüchsen Flügel wie eben jenem Ricky – und die sind nun mal nur im Kino zu haben.

© Der Beitrag erscheint zeitgleich in der gedruckten Ausgabe des Rheinischen Merkur Nr. 7 vom 12.02.2009, Seite 17.]]>
<![CDATA[Tilda Swinton steht auf Härteres]]> Man hat den Eindruck, die Regisseure von heute machen in ihrem Leben genau zwei Filme: ihren ersten und ihren letzten. Vielleicht haben deshalb ihre Arbeiten oft Überlänge. Als wüssten sie, dass sie niemals mehr Geld für ein weiteres Projekt bekommen, packen sie in ihren Erstling alles an  Maximen und Bekenntnissen hinein, was ihnen in ihrem jungen Leben eben gerade so zur Verfügung steht. Meist dünne Zeitgeistweisheiten.

So gesehen gestern morgen im deutschen Wettbewerbsbeitrag "Alle Anderen" von Maren Ade, die eine erschöpfende langatmige Auskunft  über eine haltlose, weil haltungslose Muttersöhnchen-Generation zeigte, die sich zu Höherem berufen fühlt, aber nur aus Schwächlingen besteht. Dazu mehr in der nächsten RM-Ausgabe. Film Alle anderen

Das deutsche Weichei zum Frühstück, gleich morgens um 9 Uhr bei der Pressevorführung, das war denn auch der Jury wohl ein bisschen zuviel.

Tilda Swinton zumindest steht auf Härteres. Der Abspann des uruguayischen Wettbewerbsbeitrages "Gigante" von Adrian Biniez, in dem ein dicklicher Sicherheitsdienst-Mitarbeiter auf "Metallica"-Musik steht, hat es Swinton angetan. Als die Heavy-Metal-Musik ertönte, hielt es die Jurypräsidentin kaum noch in ihrem plüschroten Kinositz. Swinton schleuderte ihren Kopf in der Luft hin und her: "Head-banging" nennt man das wohl in Fachkreisen. Eine Art Frühgymnastik in der Morgenvorstellung des gestrigen Tages, die das Publikum belustigte.
Film Gigante Die nordrhein-westfälische Filmförderung hat "Gigante" mit finanziert. Die NRW-Landesvertretung lud deshalb stolz zu ihrem beliebten Berline-Empfang, der als "Hot-Spot", als die angesagteste Party des Filmfestes gilt. Das kommt daher, dass den Privatfirmen die Partylaune angesichts der Krise wohl vergangen ist – und immer weniger Empfänge gegeben werden. Die Öffentlich-Rechtlichen Sender zahlen mittlerweile ohnehin den größten Teil der deutscher Filmfinanzierung; auch im internationalen Geschäft mischen sie mit. Da lässt es sich leicht feiern. Durch ihre Mithilfe entstehen dann Kinofilme wie Heinrich Breloers "Buddenbroks-Verfilmung" (vgl. Film-Kritik im "Rheinischen Merkur"), der zwar bei der Kritik durchfiel, aber im Kino die erste Million  Zuschauer gerade erreicht hat. Gegen "Abstimmungen mit den Füßen" hat der Kopf eben keine Chance, da kann er noch soviele Stirnfalten produzieren.]]>
<![CDATA[Der Vorspann als eigene Kunstform und der Kinderfilm "Lippels Traum"]]> Die Würde des Nachspanns ist unantastbar: Ein ehernes Gesetz unter Kino-Aficinados ist, dass sie die Abspänne der Kinofilm bis zum letzten Buchstaben würdigen. Zuweilen werden die Ausharrenden - ähnlich wie bei den CDs der Bonustrack - noch mit einer Filmsequenz belohnt, die dem Film nocheinmal eine zusätzliche Pointe schenkt. Die ach so hektischen Terminjäger unter den Journalisten haben da leider das Nachsehen, weil sie danach nicht Hinsehen. Am liebsten würden Sie sich den Vorspann auch schenken, wer mitspielt ist ja auch dem Programm zu entnehmen. Dabei entwickelte der Vorspann in der Filmgeschichte ganz eigene Kunstformen, wie die Galerie "Kunstwerke" in Mitte zeigt: Pünktlich zur Berlinale werden dort besonders gelungene Beispiele des "Vorspannkinos" gezeigt - unter den Grafikern und Designern sind wahre Koryphäen, deren Arbeiten Kultstatus erreichten, denkt man etwa an die zahlreichen James Bond-Filme, für die Maurice Binder zeichnete. Originell auch wie sich ein großer Regisseur am Ende des Vorspanns zu "Der Glanz des Hauses Amberson" aus dem Off meldete: "Mein Name ist Orson Welles. Ich habe das Drehbuch geschieben und Regie geführt."  Zu sehen in der Galerie: Kunstwerke, Auguststraße 69, in Berlin Mitte. (Bis zum 19. April)
Dass Paul Maar zu den berühmtesten Kinderbuchautoren Deutschlands zählt, hat er wohl dem Sams zu verdanken. Aber sein Roman "Lippels Traum" ist ebenfalls ein großer Wurf und erreicht in seinen Traumsequenten die erzählerische Dichte eines Michael Ende. Gestern hatte der Kinofilm von Lars Büchel im Delphi Kino Premiere und die Kinder waren begeistert. Der Film glänzt mit großen Namen: Eva Matthes, Uwe Ochsenknecht, und Moritz Bleibteu. Lippel (Karl Alexander Seidel) muss sich gegen die böse Haushälterin wehren, die von Anke Engelke grandios verkörpert wird. Ein wunderbarer Film für Kinder ab sechs Jahren. 8.2., 14 Uhr im Cinemaxx 3; 10.2.10 Uhr und 15.2.15.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain.]]>
<![CDATA["5th Berlin International Directors Lounge"]]> In den Goldenen 20ern war die Friedrichstraße bekanntlich die Vergnügungsmeile Berlins. Dass dieses Jahr die Wiederholungen der Wettbewerbsfilme im Friedrichstadtpalast gezeigt werden, ist wohl eine kleine Reminiszenz an diese große Zeit.

Spannender noch ist in diesen Tagen eine andere Adresse:

Die Friedrichstraße 112a. Im ehemaligen Scala Kino ist vom 5.-15. Februar die "5th Berlin International Directors Lounge" untergebracht. Unterground-Regisseure und Videokünstler aus der ganzen Welt zeigen dort im Rahmen des "contemporary media and film festival" ihre Filme und Videoinstallationen, die offenbar alle unter dem Motto gedreht und konzipiert wurden: "Leute macht schnell, die Avantgarde ist hinter euch her." 5th Berlin International Directors Lounge
Spannende, lustige, in jedem Falle optisch ungewöhnliche Screenings kommen dort zur Aufführung. Die Regisseure sind anwesend. Videopioniere treffen sich in gemütlichen alten Plüschsesseln zum Erfahrungsaustausch. Wem die herkömmlichen Filmästhetiken und Videoclips zu langweilig sind, der kann dort neue geistige und visuelle Impulse erhalten. Gestern abend war Eröffnung, und der Organisator, Videokünstler Andre Werner, zeigte schon einmal herrliche Kostproben des kommenden zehntägigen Programms.

Das Beste an der ganzen Veranstaltung: sie ist kostenlos!  Die Finanzierung der ungewöhnlichen Filmreihe wird allein durch die Bar des Hauses gewährleistet - die Getränkepreise liegen knapp über dem Einkaufspreis, sind also mehr als sozial und für (arme) Kunst- und Filmstudenten der angesagteste Geheimtreff der Berlinale. Wo gibt es das noch, dass Kampftrinker zu Sponsoren werden?

Hier:

Directors lounge
screenings
installationen
specials, bar
live music
dance lounge
täglich ab 18 Uhr
open end
alle Filme freier Eintritt

Scala, Friedrichstraße 112a
1. Stock über der irischen Kneipe "Oscar Wilde"

Das Programm ist unter: www.directorslounge.net abrufbar.


Der Münchener Medien-Dienstleistung Gmbh, kurz MDG, liegt als erfolgreichem katholischem Medienberatungsunternehmen die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses am Herzen. Der deutsche Medienmarkt befindet sich im Umbruch, die MDG entwickelt Lösungsansätze und entwickelt Handlungsperspektiven. Sie bietet dreimal im Jahr Trainee-Programme an. Print gegen Online: Wie sieht der crossmediale Weg dieser beiden unterschiedlichen journalistischen Formen aus? Wie stellt sich die katholische Kirche dieser Herausforderung? Wie lässt sich schließlich das Medienmanagement im 21. Jahrhundert gestalten?

Das sind die drei Seminarschwerpunkte, mit der sich die MDG den Zukunftsherausforderungen zu stellen sucht.

Im Hotel Maritim moderierte ich gerade erst ein einstündiges Gespräch zwischen Bettina Reitz, der Programmbereichsleiterin "Spiel, Film, Serie" im Bayrischen Rundfunk und Martin Choroba, Geschäftsführer der Tellux. In der für 20 Trainees von der MDG organisierten Veranstaltung ging es munter zur Sache: Hat das Fernsehen jüngeren Generationen mit ihrem veränderten Mediennutzungsverhalten überhaupt noch etwas zu bieten? Wird die "Generation Praktika" ausgebeutet statt ausgebildet? Die Antworten lesen Sie in den nächsten Wochen auf der Medienseite des Rheinischen Merkur - in der Print und in der Online-Ausgabe.

Über Babys, denen Flügel wachsen, können Sie bereits in der nächsten Printausgabe des RM etwas erfahren.]]>
<![CDATA[Tom Tykwers "The International"]]>

Ich habe nach meinem Wegzug keinen Koffer, jedoch mein altes Fahrrad in Berlin zurückgelassen. In einem Keller in Moabit wartet es sehnlichst auf die Berliner Filmfestspiele, weil es dann zu seinem glorreichen Einsatz kommt. Das Vehikel bringt mich in Windeseile bis  spät in die Nacht zu den verschiedenen Spielorten, die weit verstreut  in der Stadt liegen.

Erste Station am ersten Festivaltag: Die Pressevorführung von Tom Tykwers "The International". Pressevorführungen haben einen Nachteil - hier sitzt ein Fachpublikum beieinander, das an Stellen allenfalls die Nase rümpft, wo normale Zuschauer sich die Tränen wegtupfen und verlegen ins Taschentuch schneuzen. Hier kocht der Saal nur selten, weil Kritiker nun mal einer abgebrühten Zunft angehören.

Entsprechend verhalten war auch der Beifall für Tom Tykwers Eröffnungsfilm, der wirklich alles liefert, was einen guten Thriller ausmacht: rasante Handlung, fulminante Kameraführung, gute Schnitte, überzeugendes Drehbuch. Und an klassischen Filmzitaten mangelt es darin auch nicht. "French-Connection" und "James Bond" lassen grüßen.Die grandios gedrehte Schießerei im New Yorker Guggenheim Museum lässt Kunstfreunden den Atem stocken, doch sie  können beruhigt sein, denn die Dreharbeiten dafür fanden in  Potsdam-Babelsberg statt, und die Rotunde des Museums wurde in einer  Halle des ehemaligen VEB Lokomotivbau Karl  Marx nachgebaut. Die  Schauplätze in Mailand, Berlin, New York und Istanbul bilden die Folie  eines Politkrimis erster Güte.

Eine international agierende Großbank klinkt sich in den globalisierten Waffenhandel ein, mit dessen Finanzierung sie sich die Despoten von morgen in Dritte Welt-Ländern gefügig macht. Sie zwingen  ganze Staaten in die Schuldenfalle. Der Dokumentarfilm "Let's make  money" von Erwin Wagenhofer zeigt, dass dieser fiktionale Stoff auch "in echt" schon gängige Praxis ist.

Politisches Kino - das fordert und fördert auch die siebenköpfige Jury unter Tilda Swinton, die heute eine Pressekonferenz gab, bevor sie ab morgen ihre Arbeit aufnimmt.  Bestsellerautor und Jury Mitglied  Henning Mankell, dessen sozialkritisches Herz für Afrika schlägt, möchte authentische Filme sehen, die die Welt besser machen. Die  Kritiker im Publikum träumen solange von einer Welt die bessere Filme  macht. Christoph Schlingensief, das enfant terrible der deutschen Theaterkultur sieht es ein wenig lockerer: Auf die Frage, wie er sich  mit seinen Kollegen in der Jury verstünde, antwortete er sinngemäß: "Wir haben zusammen noch keine Nacht durchgezecht, aber ich bin sicher, das wird noch kommen."]]>